19. Oktober 2010

Ian Bostridge auf den Spuren historischer Superstars

Auch die Barockzeit hatte ihre »drei Tenöre« — Superstars, die man in den Opernmetropolen stürmisch feierte, die aber auch eine Revolution in der Musik auslösten: Damals beherrschten Kastraten die Bühne, aber John Beard, Francesco Borosini und Annibale Fabri waren die Urahnen der heutigen Startenöre — und liefen den männlichen Sopranisten den Rang ab. Der Tenor Ian Bostridge, geschätzt auch für seine Ausflüge in Randbereiche des Repertoires, entdeckt die Musik dieser drei Superstars der Barockzeit nun wieder — mit nicht weniger als sechs Welt-Ersteinspielungen unter anderem von Arien Händels, Vivaldis und Scarlattis.
Die virtuosen und expressiven Arien auf dieser CD stammen aus den Federn einer ganzen Reihe großer Barockmeister. Georg Friedrich Händel jedoch war die zentrale Gestalt im Leben der drei Tenöre: Annibale Fabri aus Bologna erlebte in London seinen großen Durchbruch und konnte sich aufgrund seines gewaltigen Tonumfangs schnell gegen die Kastratenkonkurrenz behaupten. Sein Kollege Francesco Borosini kam über den Wiener Hof an die Themse. Für ihn schrieb Händel sogar die Partie des Sesto seiner Oper Giulio Cesare um und machte sie zu einer der ersten großen Tenorpartien überhaupt. Der Engländer John Beard schließlich nahm an der Uraufführung von Händels Messias und anderer Schlüsselwerke der Zeit teil. Ian Bostridge legt mit dieser CD erneut eine schlüssig konzipierte, ungemein fesselnde Katalogbereicherung vor, musikalisch erstklassig assistiert vom English Concert unter Bernard Labadie.